Herbstkonzert 2025

Wir steigen mit Stoff zum Nachdenken ins Konzert ein. Zu Beginn hören wir Leoš Janáčeks 1914 entstandene, kriegsbegeisterte Violinsonate, die russische Volksmusikmotive verarbeitet; für den tschechischen Komponisten aus dem zweisprachigen Brünn/Brno ein Verfahren, das es ihm erlaubte, seine slawische Zugehörigkeit zu betonen. Später sollte die Verwendung von solchem musikalischem Material in der sowjetischen Einflusssphäre ein von der sozialistisch-realistischen Doktrin empfohlener Kunstgriff werden, der Volksverbundenheit garantieren sollte. Eine problematische, schmerzliche Auseinandersetzung mit dieser Idee zeigt sich im Werk von Dmitri Schostakowitsch, den wir in seinem fünfzigsten Todesjahr mit zwei kurzen Stücken für Cello und Klavier ehren. Dann dreht sich das Rad der Zeit zurück. Griegs Allegretto ist eine Umschrift  des zweiten Satzes seiner Violinsonate op. 45. Grieg selbst erstellte sie noch während der Arbeit an der Sonate für seinen Bruder, der Cello spielte. Die 1887 entstandene Romanze wechselt ein süsses, eingängiges Thema mit bewegteren norwegischen Tanzrhythmen ab, eine nationalromantische Auseinandersetzung mit den eigenen Volkstraditionen, die sozusagen familiär und intim bleibt. Abschliessend hören wir das dritte der im “Opus 1” zusammengefassten Klaviertrios von Ludwig van Beethoven, veröffentlicht 1795. Stilistisch ist es also der klassischen Epoche zuzuordenen, wenn auch Beethovens persönliche Handschrift schon so klar hervortritt, dass solche allgemeine Zuordnungen nur bedingt unser Hörerlebnis zu beschreiben vermögen.

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